(BBa13) Einer Schönen zum Geburtstag

Artikel-Nr.: ISBN 9783939025245


Gedichte

von Heinrich Oppermann

Preis: 8,00 EUR
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Einer Schönen
(zum Geburtstag)

Wär ich ein Maler, malte ich
mit breitem Pinsel dich.
Weit den Bogen
mit Schwung vollzogen,
die Rundungen weich betont
und hügelig herausgeholt,
mit Stift oder Pastell
und ölbedeckt hervorgehoben.
Nicht grad unter einer Brücke Bogen,
Franziska like, kess die Blicke gesenkt
und die Beine gehoben.
Nein, alles ganz artig eingelenkt
in Fleisch- und Honigfarben,
mehr wie auf einsamer Insel,
einem Robinsonland,
mit sicherer Hand und ölsteifem Pinsel.
Die Haare wie Gerstengarben
geflochten wie die der Musen.
Und die Pampelmusen schön gefüllt
und weich in Tüll gehüllt
und mir doch die Blicke stillt.
Wär ich ein Figurenschnitzer im Bayrischen Wald,
oder anderswo halt,
so schnitzte ich stolz
dich madonnengleichen Engel, aus Holz.
Der Meister sich am Klotze freudig schafft ohne Rast,
weil schon die Vorfreude ihn erfasst,
wenn er mit schwerer scharfer Klinge
die Blöcke erst muss spalten
und hernach die meisterlichen Dinge
nebst Rundungen kann gestalten.
Mit allen Sinnen stets fühlen,

wie unter seiner Hand die Formen sich schmiegen
und dann straffen.
Wie Hände und Klinge es schaffen
mild zu gleiten, nur wenig Späne bereiten,
sanft über die rauen Falten
hinwegziehn, leicht glättend,
geschmeidig erhalten.
Mit dem Fugenmesser schmale Fugen fugen
und leichte Höhlen höhlen.
Die Figur im ganzen vor sich stehend
mit rauen Daumen, Fingern abtasten,
hellen Blicken abrasten
und dann sehend mit leichtem Augenheben
den letzten Schliff ihr geben.
Was meistens ihm gelingt.
Und ich wär wie der Mönch, der, süffisant
und verschmitzt
lächelnd, mit dem Krug in der Hand
in den Keller steigt und zum Fass geneigt
gleichsam im Voraus sich erhitzt,
dich herrliches Weib vernascht und verschlingt.
Wär ich ein Bildhauer oder Zuckerbäcker
aus dem Osten,
würd ich dich aus Teig von Kalk und Gips
oder Salz und Mehl und Ei,
mit Wasser vermengt zu Brei,
erst stampfen und walken, reißen und walzen,
weichkneten und stoßen und dann stanzen,
und immer wieder von dir kosten.
(Ich bitte dich – bei letzterem nur, versteht sich).
Auch diese Meister formen die Göttinnen
nach ihrem Bilde,
mal roh und derb, mal steiler und wilde.
Stets bedacht, dass die groben Formen,
die meist stumpfen
mit den breiten Hüften, Erhebungen und Klüften,

nicht unter ihre eignen Normen,
die sie ja wohl kennen,
nach dem Trocknen und Brennen
schrumpfen.
Gar unter ihrer Hand zerbrechen,
wie Lessings „schöne Docke“
ohne Messer oder Säbelstechen
in die obere Hälfte und „die Hälfte
mit dem Unterrocke“!
Nach erfolgtem Brand überstreichen sie mit Hand,
der eine Lasur, der andre Glasur.
Und sie brennen dann wieder,
mit Flammen hoch, nieder.
Die Rosetten nebst Äpfelchen und Pfannenkuchen
wohl betont, man braucht nicht zu suchen,
sind mit Lasur und Glasur am stärksten belegt.
Als ob ihre Hand sich dahin viel öfters bewegt?!
Und sie glänzen, wie mit der Zunge beleckt,
sind so glatt nackt und doch bedeckt.
Besonders lecker
wärst du mir vom Zuckerbäcker!
Wär ich ein Komponist,
ich wüsst ich könnt oder müsst Melodien finden,
die dich beschreiben und umwinden.
Sie sollten dich leicht auf Wolken tragen,
schwebend auf einem Wagen,
der von Ochsen gezogen oder vorwärts geschoben.
Deren Nacken und Hörner, getrennt durch das Joch,
kraftvoll und leicht über alle Höhen und Tiefen
dich heben
und doch
in Rosen aus Noten gehüllt und gleich dir,
als Sonaten und Symphonien,
die gleichwohl von mir,
durch die Lüfte schweben.
Und sie weben ein Bild, so innig und mild.

Und doch voller Anmut und sanfter Glut
vom Schuh bis zum Hut.
Meine Phantasien,
wie die Wolken hin und her sich wiegen,
so gerne möchte ich mit dir fliegen.
Doch möcht’ ich hier nicht wie ein Ochse minnen,
dessen Horn doch steckt im Joche drinnen.
All diese Meister, samt ihrem Kleister,
formen die Rundungen wohl,
doch innen bleibt alles unbefleckt oder hohl.
Ihre Geschöpfe sind zum vernaschen schön
und wohl anzusehn,
von den Fesseln an aufwärts bis zur Kehle.
Allein ihnen fehlt die Seele!
Und Innensehen und das Innen beschreiben,
das gilt wohl ohne Richter,
kann der Sänger nur und¬ –
empfinde es nicht unbescheiden –
der schwärmende Dichter.
Doch heuer
wohl auch der Mediziner,
nicht nur der Berliner,
mit Geräten aber, die sehr teuer.
Wäre ich ein Dichter,
ich formte, buk, schnitzte, malte dich mit Worten,
wie einen Wald, der zugleich jung und alt,
vom Förster wohl angelegt
und auch gepflegt und gehegt.
Wo der Bewuchs mal enger und mal lichter
mit kerzengeradem Unterholz,
was wohl des Försters größter Stolz,
mit unten Gestrüpp, etwas buschig und reich,
am Oberholz zwei Schwämme, schön samtig weich
und die Kronen mal schlank, mal breit,
mal rot, mal bleich

und strähnig und wuschelig zugleich.
Und in deinem Walde wimmelts so vogelreich.
Eine zwitschernde Vielfalt von Meisen und Finken,
ein Hüpfen, ein Flattern ein Kommen und Winken.
Nachts Stöhnen nebst Ächzen
und grusligem Krächzen.
Die anschleichenden Späher
durch den Schrei der Eichelhäher
erschrecken und sich verstecken.
Woselbst Kleintiere und Echsen
nach Pilzen und Beeren lechzen.
Die Hirsche ihre Geweihe an deinen
glatten Stämmen reiben
und in deinem weichen Moose weiden.
Und, wie die Bildhauer ihre Figuren mit Lasur
oder Glasur auf der Hüfte,
dich gleitenlassen durch die Lüfte,
sollen meine Worte, wie du schon ahnst oder weißt,
deine Seele und deinen Geist
immer weiter weiten,
dich immer noch größer, schöner, reicher bereiten.
Dass, wie in einem Wald, gern zu dir strömen
viele Arten,
denn du hast Platz und Früchte,
und ich verbreite hier keine Gerüchte,
für alle in deinem himmlischen Garten,
die Großen und die Kleinen, nicht nur den Deinen.
Meine Worte sollen dich, das wollte ich sagen,
zu den Sternen tragen, träumend und munter.
Doch sollten meine großen Worte holpern
und ich gar wo anstoßen und damit stolpern,
und du fällst dann runter,
das wäre ein Mist.
Dann bleib, wie du bist!